Beispiel: Zone 2 Herzfrequenz für 35 Jahre und Ruhepuls 58
Nehmen wir eine 35-jährige Person mit Ruhepuls 58. Die Werte sind kein Laborergebnis, aber ein brauchbarer Startpunkt.
| Methode | Rechnung | Ergebnis | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Geschätzter Maximalpuls (Tanaka) | 208 − 0,7 × 35 | HFmax ca. 184 bpm | Ausgangswert für einfache Prozentzonen |
| Zone 2 nach 60–70 % HFmax | 184 × 0,60 bis 0,70 | ca. 110–129 bpm | eher konservativer Bereich |
| Zone 2 nach Herzfrequenzreserve | HFR = 184 − 58 = 126; 58 + 60–70 % davon | ca. 134–146 bpm | oft näher am individuellen Gefühl, aber nicht automatisch „richtiger“ |
Antwort zuerst
Wenn du bei 134–146 bpm nicht mehr ruhig sprechen kannst, ist der Bereich für dich zu hoch. Dann zählt der Talk Test mehr als die Formel.
Beispiel: Wenn der Ruhepuls höher ist
Gleiche Person, 35 Jahre, aber Ruhepuls 72:
- • Tanaka HFmax bleibt ca. 184 bpm
- • HF-Reserve = 184 − 72 = 112
- • Karvonen-Zone-2 ca. 139–150 bpm
Ein höherer Ruhepuls verschiebt die Herzfrequenzreserve-Rechnung nach oben. Das heißt nicht automatisch, dass du härter trainieren solltest. Bei schlechter Erholung, Stress oder Infekt kann der Puls höher sein, obwohl die Belastung nicht besser ist.
Praktischer Start: Wähle den niedrigeren Bereich, trainiere 2 Wochen, beobachte Sprache, Atmung, Erholung und Schlaf. Danach feinjustieren.
Wie du deine Zone 2 berechnest
Du brauchst drei Zahlen, je nach Methode: dein Alter, optional den Ruhepuls und optional einen Laktatschwellen-Puls. Aus dem Alter wird die maximale Herzfrequenz geschätzt, aus diesem Wert ergibt sich ein Zone-2-Bereich. Genauer wird es, wenn du Ruhepuls oder einen gemessenen Schwellenpuls nutzt.
Warum die Formel nur ein Startpunkt ist
Formeln für die maximale Herzfrequenz haben relevante individuelle Streuung. Eine Übersicht von Shookster und Kollegen zeigt: Selbst die besten Gleichungen liegen bei Einzelpersonen oft um zehn oder mehr Schläge daneben. Deshalb gilt: Nimm den Wert als Richtung, nicht als Wahrheit.
Methode 1: Zone 2 nach geschätzter HFmax
Die einfachste Methode. Du schätzt deine HFmax mit der Tanaka-Formel (208 minus 0,7 mal Alter) und nimmst davon 60 bis 70 Prozent. Vorteil: Du brauchst nur dein Alter. Nachteil: Die HFmax selbst ist nur geschätzt — präziser geht es mit dem Maximalpuls-Rechner oder einem eigenen Test.
Methode 2: Zone 2 nach Herzfrequenzreserve
Genauer, wenn du deinen Ruhepuls kennst. Die Herzfrequenzreserve (HFR) ist HFmax minus Ruhepuls. Zone 2 entspricht 60 bis 70 Prozent der HFR, addiert auf den Ruhepuls. Diese Karvonen-Methode berücksichtigt deinen aktuellen Fitnesszustand besser als die reine HFmax-Methode.
Methode 3: Zone 2 nach Laktatschwellen-Puls
Für Läufer und Radfahrer mit Trainingsdaten am genauesten. Du absolvierst einen 30-Minuten-Test bei maximalem haltbarem Tempo, der Durchschnittspuls der letzten 20 Minuten ist eine Näherung deines Laktatschwellen-Pulses (LTHR). Zone 2 liegt etwa bei 85 bis 89 Prozent dieses Werts. Wie sich das im Training anwenden lässt, steht im Zone-2-Laufen-Guide und beim Zone-2-Radfahren. Für eine konkrete Wochenstruktur siehe den 8-Wochen-Trainingsplan.
Talk Test: der Realitätscheck
Wenn du im berechneten Bereich nicht mehr in ganzen Sätzen sprechen kannst, ist er für dich zu hoch. Geh ein paar Schläge runter. Wenn du locker singen kannst, ist er zu niedrig. Studien zum Talk Test (Foster 2008, Reed und Pipe 2023) zeigen, dass dieser einfache Test überraschend gut mit aerober Schwelle übereinstimmt.
Häufige Fehler beim Puls
- • Pulsmesser am Handgelenk reagieren träge und springen. Ein Brustgurt ist verlässlicher.
- • Erste fünf Minuten sind kein guter Indikator: Der Puls braucht Zeit, um sich einzupendeln.
- • Bei Hitze, schlechtem Schlaf oder Koffein liegt der Puls bei gleichem Tempo höher.
- • Wer nur auf den Puls starrt, verpasst das eigentliche Signal: das Gefühl.
FAQ
Welche Herzfrequenz ist Zone 2?
Zone 2 liegt typischerweise zwischen 60 und 70 Prozent deiner maximalen Herzfrequenz. Das ist eine Näherung. Der bessere Maßstab ist der Talk Test: Du solltest noch in ganzen Sätzen sprechen können, aber merken, dass du arbeitest. Bei vielen passt der Bereich gut, bei manchen liegt er deutlich darüber oder darunter.
Ist 60-70 Prozent HFmax immer richtig?
Nein. Die Spanne 60 bis 70 Prozent HFmax ist ein guter Startpunkt, kein Naturgesetz. Manche Quellen setzen Zone 2 weiter (bis 75 Prozent), andere enger. Wichtiger als die Prozentzahl ist, dass du in deinem Bereich sprechen kannst und nicht in den ersten Minuten schon schwer atmest.
Warum ist mein Zone-2-Puls so niedrig?
Wenn du untrainiert bist oder lange Pausen hattest, fühlt sich selbst niedriger Puls anstrengend an. Das ist normal. Der Körper reagiert über Wochen, nicht über Tage. Halte den Bereich und schau nach 4 bis 8 Wochen, wie sich dein Tempo bei gleicher Herzfrequenz entwickelt hat.
Soll ich nach Puls oder Talk Test trainieren?
Beides ergänzt sich. Der Puls gibt dir einen Richtwert, der Talk Test prüft ihn in der Realität. Wenn beide widersprechen, vertrau dem Talk Test. Puls reagiert verzögert, wird von Hitze, Stress, Koffein und Schlaf beeinflusst und kann an manchen Tagen täuschen.
Was ist genauer: HFmax, Ruhepuls oder Laktatschwelle?
Am genauesten ist die Berechnung über den Laktatschwellen-Puls aus einem 30-Minuten-Test, weil sie individuell gemessen wurde. Die Herzfrequenzreserve mit Ruhepuls liegt im Mittelfeld. Die reine HFmax-Formel ist am ungenauesten, dafür am einfachsten. Für den Einstieg reicht die einfache Methode plus Talk Test.
Quellen
- Tanaka, H. et al. (2001), HRmax-Formel: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11153730
- Shookster, D. et al. (2020), Genauigkeit von HRmax-Formeln: pmc.ncbi.nlm.nih.gov/PMC7523886
- Foster, C. et al. (2008), Talk Test: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18277826
- Reed, J. L. & Pipe, A. L. (2023), Talk-Test-Review: pmc.ncbi.nlm.nih.gov/PMC10331140
- Vollständige Übersicht auf der Quellen-Seite.